Zweifeldämonen

Ausfallswinkel

Ich hab es im letzten Jahr geschafft. Es sind über 50.000 Wörter geworden. Allerdings war nach dem November der Druck raus. Hier und da mal weiter geschrieben. Aber bis zum Ende hab ich nicht durchgehalten. Das Hamsterrad namens Alltag hatte sich wieder in Bewegung gesetzt. Einmal nachgegeben, schon hatte es so viel Fahrt aufgenommen, dass ich nicht mehr einfach abspringen konnte. Also gut, morgen noch mal ausschlafen, aber dann arbeitest du wieder am Manuskript. Du bist ja gerade so schön drin in der Geschichte. Wäre doch schade, wenn du dich durch zu langes Pausieren von deinen Figuren entfernen würdest. Ja, ja. Blöd. Aber genau das ist natürlich passiert. Natürlich? Warum eigentlich?

Es gibt gar keine Ausreden. Alles, was ich aufzählen würde, gilt nicht. Schließlich wollte ich doch die Geschichte schreiben. Einen Monat lang war es mir gelungen. Einen Monat lang lief alles so weiter wie sonst auch. Die Familie kam nicht zu kurz. Dank Selbständigkeit konnte ich mir die Zeit für anstehende Jobs zwar so einteilen, wir es mir am besten passte. Das Arbeitspensum galt es dennoch zu bewältigen. Verabredungen mit Freunden, Kino- und Restaurantbesuche waren auch drin. Einen Monat lang hab ich meinem Tagesablauf noch Zeit abluchsen können, um zu schreiben. Schien doch wichtig gewesen zu sein.

Sobald die Zweifeldämonen deinen Kopf besetzt haben, hast du verloren. Na gut, du hattest einen Monat deinen Spaß. Jetzt gilt es, deine Kräfte für deinen eigentlichen Job aufzusparen. Lieber nicht mehr um vier Uhr aufstehen, um zwei Stunden in Ruhe schreiben zu können. Wie lange willst du das durchhalten? Hast ja bis jetzt auch nichts Vorzeigbares beendet. Autor? Schriftsteller? Hallo?! Wach auf Junge. Komm zur Vernunft! Komme ich dann. Im Dezember. Nach dem NaNoWriMo. Zweifeldämonen halt.

Dann Weihnachten. Dann Neujahr. Dann wieder Arbeit. Und im Hinterkopf steckt man die ganze Zeit in der Geschichte. Nur verharren die Figuren wie eingefroren wie in der zuletzt geschriebenen Zeile des unvollendeten Manuskripts.

Ehe man sichs versieht, steht schon wieder der nächste NaNoWriMo vor der Tür. Jetzt wieder etwas Neues beginnen? Sollte ich nicht erst das Angefangene beenden? Es bestünde ja die Gefahr, dass ich nur das nächste unvollendete Manuskript produziere. Für den November könnte ich die Zweifeldämonen mit ausreichend Motivation in die Flucht schlagen. Aber sie sind hartnäckig. Ausgesprochen geduldig.

Sei’s drum. Ich habe mich schließlich doch entschieden, am kreativen Schreibmonat teilzunehmen. Diesmal aber nicht mit einem weiteren Roman. Sondern Kurzgeschichten. Ganz klassisch. Mit überraschendem Schluss, überwiegend schauriger Pointe. Im Stil von Twilight Zone. Scheinbar voneinander unabhängige Geschichten. Ein roter Faden verbindet die Einzelteile zu einem großen Ganzen mit dem Arbeitstitel „Ausfallswinkel“. So ist es jedenfalls geplant. Hoffentlich wird was draus.

Hier die die Titel und Inhalte der Kurzgeschichten:

Das Flüstern (Mystery)
Sie sind allein? Niemand in der Nähe? Trotzdem hören Sie Stimmen? Sogar ganze Gespräche? Dann sind Sie vermutlich wahnsinnig und sollten sich mit ihrer imaginären Gruppe arrangieren. Falls nicht, erfahren Sie hier, was dahinter stecken könnte.

Nächtliches Studium (Vampir Grusel)
Zwei arrogante, bodenständige Studenten glauben an nichts, außer ihrem obenflächlichen Humor. Unheimliche Umstände lassen Sie abergläubisch werden. Sie versuchen einen Mord zu verhindern und bewirken das Gegenteil.

Alles Ignoranten (Mystery)
David nahm sich vor, den Typen, der ihm die Vorfahrt genommen hatte nicht gleich anzubrüllen. Viel Hoffnung hatte er nicht. Das hätte schief gehen können. David redet auf ein dutzend Leute ein, die ihn einfach nicht beachten. Auch Verwandte und Bekannte, scheinen mit wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein, als im Beachtung zu schenken. Ihm dämmert, dass wohl doch etwas schief gegangen sein muss …

Morgen (Psychodrama)
Eine Geschichte über das, was man immer vorhatte zu tun, jedoch nie dazu kam. Aus einer vielzahl von Gründen. Einige sind durchaus nachvollziehbar. Leider auch die, die wir eigentlich nicht als nachvollziehbar einstufen möchten.
Was lähmt uns? Was motiviert uns? Welche Pflichten bremsen uns? Unser Beruf ist nicht unsere Berufung? Können wir nebenbei unsere Leidenschaft nachkommen? Was lässt unser Job zu? Was unsere Familie? Was kommt dazwischen? Was war wichtig? Was nicht?
Was von all dem sind Ausreden, weil uns der Mut fehlt? Der Mut, sich dem möglichen Versagen zu stellen?

Aufklärung im Salon (Krimi-Satire)
Meisterdetektiv Sherman Hidebound bittet alle verdächtigen Personen zur Aufklärung eines Mordfalles in den Salon. Nachdem alle versammelt sind, zieht der Detektiv vollkommen falsche, an den Haaren herbeigezogene Schlüsse und überführt schließlich eine Unschuldige des Mordes an den Pianisten Giovanni Vincenze Pianello.
Inspektor Smolder weist den berühmten Detektiv auf mögliche falsche Schlussfolgerungen hin. Durch stetes Hin- und Herkombinieren, richtiger und falscher Schlussfolgerungen, entlarvt letzten Endes Smolder den richtigen Täter.
Der große Sherman Hidebound verbucht den gelösten Fall selbstverständlich für sich.

Schreibblockade (Psychokrimi)
Edward Cutter ist ein erfolgloser Schriftsteller. Er schafft es nicht, auch nur eine Geschichte zu ende zu schreiben. Er findet eine Menge Gründe für seine Schreibblockade. Zunächst ist es die Umgebung, die er zum Schreiben für ungeeignet hält. Er kündigt seinen Job, der ihn nur Zeit kostet. Er verschiebt Verabredungen mit seinen Freunden oder sagt ihnen ganz ab, um den Kopf frei zu bekommen. Bald stört sein Hund. Er gibt ihn ins Tierheim.
Trotzdem entstehen nur einige Notizen fader Ideen. Warum bringt er nichts zustande? Das Geld wird knapp und seine Frau beginnt sich zu beschweren. Mit so einer nörgelnden Kuh im Nacken kann doch niemand vernünftig arbeiten. Wenn seine Frau nicht wäre, würde er sicher wahre Kunstwerke schreiben können. Die Lösung seiner Schreibblockade nimmt mörderische Formen an.

Die Orgel (Krimi)
Gernot Tauwetter wird auf dem Polizeirevier verhört. Er steht im Verdacht, für die in jüngster Zeit verübten Säuremorde verantwortlich zu sein. Nicht weniger als 65 Morde sollen auf sein Konto gehen. Indizien in Form von Säuretanks in der Garage und Adressen der Opfer in einem Notizbuch sprechen für diese Annahme und reichen zweifellos für eine Verurteilung aus. Die Aussage des Verdächtigen, für die Orgel seien diese Morde notwendig, ist für die Beamten zwar ein Geständnis, doch die Beweggründe der Morde bleiben rätselhaft. Das Tatmotiv soll im Verhör näher geklärt werden.

Das Härchen (Psychodrama)
Ein Geschichte nach dem Muster: Kleiner Anlass, große Wirkung. Ein kleines Härchen im Gesicht lässt einen Mann voller Selbstzweifel durchdrehen.

Der atomisierte Hund (Surrealeske)
Als Tilbert Dreisatz einen Zug in eine ungewissen Zukunft betritt, ahnt er noch nicht, dass er mit dieser Reise die Suche nach sich selbst antritt. Im Zug sucht er sein Abteil. Bei jedem Waggonwechsel landet er an surreal anmutenden Schauplätzen. Die Menschen, denen er begegnet, scheinen die Weisheit mit Schaufelbaggern gefressen zu haben.

Heute war der erste Tag des National Novel Writing Month. Begonnen habe ich mit der Geschichte „Alles Ignoranten“. Mit 1.997 Wörtern bin ich 300 Wörter über dem Ziel und wieder im Spiel.

Schluss mit der Pause

Es wird Zeit, mal wieder etwas zu produzieren. Ich bin wieder am Ball. Am Pharaonenreich. Ist nicht einfach, eine Zeitreisegeschichte im ersten Entwurf runter zu schreiben. Dazu müsste ich dem Drang zum Recherchieren zwangsläufig widerstehen. Doch ein Manuskript wie Schweizer Käse würde mich sowas von demotivieren, dass ich die Kraft zum Lückenfüllen wohl nie aufbringen könnte.

Doch Vivant Denon sei Dank, kann ich mein Wissen leicht auffüllen. Schließlich hat der Mann Napoleon auf seinem Ägyptenfeldzug begleitet. Ein Schriftsteller als Zeitzeuge. So wünscht man sich das. Zwar beleuchtet der Mann hier und da echte Knotenpunkte der Geschichte („Mit Napoleon in Ägypten“), für meinen Geschmack handelt es sich bei dem zu bewältigenden Stoff aber um überwiegend verstaubt vorgetragenes Hintergrundwissen. Leider muss ich da durch. Hab ich mir jetzt fest vorgenommen. Warum ich das so betone? Bin immerhin schon drei mal an diesem Reisebericht gescheitert. Warum gibt es das Ding eigentlich nicht als E-Book? Obwohl … wäre ich dann schneller? Wird ja nicht spannender, weil’s auf dem Kindle leuchtet. Vielleicht ist abschreiben eine Lösung …

Die vierte und letzte Woche – Ziel erreicht!

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54.153 Wörter später blicke ich auf einen turbulenten Monat mit starken Motivationsschwankungen zurück. Der Nanowrimo 2014 ist vorbei. 54.153 Wörter. Yeah! Ich kann es nicht oft genug wiederholen. Weil ich es selbst kaum für möglich gehalten hatte. Ganz besonders in der vergangenen Woche war es schwierig, die Zeit zu finden. Doch es hat geklappt. Meinen Soll hatte ich bereits einen Tag vor Ablauf des Nanowrimo erfüllt. Wahnsinn.

Und was war in diesem Jahr anders als im letztem? Entscheidend war, stur weiterzuschreiben. Das Geschriebene zu ignorieren und auf keinen Fall Korrektur zu lesen. Es gab nur eine Richtung, in die ich schauen durfte. Im letzten Jahr habe ich mich verleiten lassen, bereits Geschriebenes zu bearbeiten. Das war ein Fehler. Logiklöcher, Rechtschreibfehler oder Stil – das alles war mir im letzten Monat egal. Und je weniger ich auf die Wortanzahl geachtet habe, die ich täglich produzieren musste, um mein Ziel zu erreichen, desto mehr Wörter schaffte ich und konnte meine Schreibgeschwindigkeit erhöhen. Irgend wann ist man tatsächlich drin. Der berühmte „Flow“. Eine wunderbare Erfahrung, sich wirklich im Geschehen einer Handlung wiederzufinden, die man selbst erdacht hat.

Natürlich brechen die Figuren hier und da mal aus dem Handlungsgerüst aus. Als würden sie plötzlich ein Eigenleben entwickeln. Aber das liegt zu einem Großteil daran, dass man interessante und würzige Dialoge schreiben möchte. Überraschende Antworten oder Behauptungen halten einen selbst und den Leser wach, bringen einen aber auch schnell vom Kurs ab. Vielleicht ist der Spaß an der ganzen Sache der, Zeuge zu sein, wie sich dann doch alles in den geplanten Handlungsverlauf fügt.

Fertig bin ich jedenfalls noch nicht. Laut Handlungsverlauf habe ich fast die Mitte des Romans erreicht. Wenn man mal von etwa 200 bis 250 Wörtern pro Normseite ausgeht, liege ich jetzt bei etwas über 200 Seiten. Gar nicht mal so viel, oder? Aber für einen Monat doch schon eine Menge Holz. Jetzt darf ich allerdings nicht nachlassen. Ich werde vielleicht nicht den Takt von durchschnittlich 1.800 Wörtern pro Tag halten können. Doch ich bleibe am Ball.

Nanowrimo 2014 – Die dritte Woche

Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Zweifel doch noch einholen würden. Alles lief so gut bisher. Doch jetzt wurde ich durch Arbeit und Familie doch etwas ausgebremst. Bis jetzt sind es 35.177 Wörter. Sogar 177 Wörter mehr als nötig, um im Schnitt zu bleiben. Doch für die kommende Woche gibt es wenigstens zwei Tage, an denen ich das Tagesziel bestimmt nicht erreiche.

Was auch passieren mag: Bis heute lief alles im Schnitt ziemlich gut. Ich bin sehr gut vorangekommen. Also warum der Zweifel? Weil ich mitten im Schreibprozess an den Charaktereigenschaften der Hauptpersonen herum geschraubt habe. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf das bisher Geschriebene. Also habe ich mich zu Korrekturen hinreißen lassen. Obwohl doch jeder weiß, dass es nur eine Richtung geben darf und Arbeiten an schon verfassten Textpassagen auf die Motivation gehen. Tja. Schön und gut. Hab ich trotzdem gemacht. Ich wollte nicht, dass ich am Ende nicht mehr durch mein eigenes Manuskript durchsteige.

Am Freitag, den 21. November stand eine Geburtstagsfeier an. Ein Kunde von mir lud zu einer 20er-Jahre-Party ein. Da konnte ich schlecht absagen. Musste Nase zeigen. Das Problem war, dass zwischen mir und der Party etwa 500 Kilometer lagen. Dennoch redete ich mir die Welt schön. Ich würde rechtzeitig losfahren. Im Hotel einchecken. Dann noch ausreichend Zeit zum Schreiben haben, bevor es am Abend auf die Party geht.

Die Realität sah anders aus: Baustellen, Staus, Feierabendverkehr. Zum Glück tröstete mich der neue Fitzek. Die Lesung „Passagier 23“. Wie meistens bei Fitzek souverän von Simon Jäger vorgetragen. Schreiben konnte ich nur während der Pausen an den Autobahn-Raststätten. So wie es aussieht, war das ausreichend.

Übrigens schotte ich mich im Home-Office ganz einfach gegen den Familienlärm ab: Einmal In-Ear-Kopfhörer plus weitere Kopfhörer, in denen die Ohrmuscheln Platz finden. Das ist eine ausreichende Isolierung. Bei häufigen Unterbrechungen ist das allerdings eine aufwendige Prozedur.

Also: Der Zweifel ist da. Aber ich versuche ihn einfach zu ignorieren. Ich hoffe, dass ich Ende nächster Woche verkünden kann: Ich bin ein Nanowrimo Winner!

Nanowrimo 2014 – Die zweite Woche

Es lief auch in der zweiten Woche sehr gut. Es war mir allerdings nicht möglich, mich an feste Schreibzeiten zu halten. Das hatte ich angestrebt. Doch ein paar Jobs zwangen mich zu Ausweichmanövern. Eine Stunde vor Arbeitsbeginn im Auto schreiben. Sehr spät schreiben. Ich musste die Zeit in Anspruch nehmen, die sich mir bot. Klappte erstaunlich gut. In der ersten Woche war meine Schreibgeschwindigkeit allerdings viel höher.

Wenn ich die Termine in der kommenden Woche überschlage, kommen mir Zweifel, ob ich mir die nötigen zweieinhalb Stunden freischaufeln kann. Ich werde wohl wieder in der Nacht schreiben müssen. Ich hoffe, ich packe es.

Vom möglichen Scheitern, die 50.000 Wörter in 30 Tagen nicht zu schaffen, mal abgesehen, kann ich mit den aktuellen 27.169 Wörtern (Tag 16) zufrieden sein. Das hätte ich ohne den Nanowrimo nicht geschafft. Weiter geht’s.

Nanowrimo 2014 – Die erste Woche

In diesem Jahr läuft es besser. Die Taktik: Der erste Entwurf ist eine Einbahnstraße. Zurückfahren ist nicht erlaubt! Immer nur weiterschreiben. Korrigieren kommt später. Lesen im bisher Geschriebenen ist verboten. Korrigieren ist verboten. Elaubt ist: schreiben, schreiben, schreiben. Sonst klappt es nicht.

Und wenn ich jetzt auf die erste Woche des Nanowrimo 2014 zurückblicke, bin ich schon etwas stolz. Darf ich protzen? Also: Nach einer Woche liege ich bei 14.033 Wörtern. Das sind täglich mehr als 2.000 Wörter. Dabei hatte ich mich im letzten Jahr so schwer getan.

Dass ich dieses so gut voran komme, liegt an der eindeutet besseren Planung. Obwohl ich bis kurz vor Start des Nanowrimo an den Charakteren geschraubt habe, habe ich den Handlungsverlauf von allen Logiklöchern befreit – sofern das bei einer Zeitreisegeschichte überhaupt möglich ist … Das war im letzten Jahr anders. Da hatte ich auch alles geplant, aber ich dachte mir, die paar Ungereimtheiten könnte ich während des Schreibprozesses klären. Doch nichts da. Genau diese nicht passenden Logikstänge beschäftigten mich gedanklich und hielten mich so von der Fertigstellung des ersten Entwurfs ab.

Mein Fazit bis hier: Ich brauche eine hieb- und stichfeste Planung. Die Handlungen aller Personen müssen logisch und nachvollziehbar sein. Es muss gar nicht alles dokumentiert werden, was passiert, denn zu viele Details bremsen einen ja auch im Schreibfluss. Und schließlich ist es doch der größte Spaß, wenn während des Schreibens etwas Ungewöhnliches passiert. Doch was im geplanten Handlungsverlauf festgelegt wurde, sollte Hand und Fuss haben.

Nächste Woche mehr vom Schreibmarathon. Dann gehe ich vielleicht mal darauf ein, wie das ganze Projekt neben einem Vollzeitjob und Frau und drei Kindern durchführbar ist …

Professor Chrononsius

Nachdem ich im letzten Jahr beim Nanowrimo gescheitert bin, hab ich den daraus resultierten Frust soweit verdrängt, dass ich es noch mal wissen will. Diesmal wird es ein Zeitreise-Abenteuer. Held der Geschichte: Ich selbst. Um ehrlich zu sein, ist natürlich Professor Chrononsius der Held. Ich bin ja nur der Berichterstatter. Ich bin die Logbücher unserer Reisen durchgegangen und fange nun mit dem ersten Abenteuer in Ägypten an.

Der Handlungsverlauf des Romans mit dem Titel „Pharaonenreich“ ist durchgeplant. Vermutlich werde ich die ganze Geschichte nicht im Nanowrimo abschließen können. Aber die 50.000 Wörter werde ich diesmal bestimmt schaffen.

Mal sehen, ob ich nach der ersten Woche wieder einen Bericht mache. Hier schon mal ein erster Entwurf für ein Cover:

Chrononsius_Cover_v01_low

Die erste Woche Schreibmarathon

Der Start vom Nanowrimo war ein wenig holprig bei mir. Jeden Tag mindestens 1.667 Wörter war der Vorsatz. Und dann startete der Schreibmarathon mit einem Wochenendbesuch von sehr guten Freunden, die man lange nicht gesehen hatte. Und natürlich gab es sehr viel zu bereden.

Tag 1 (Freitag)
Da ich hoch motiviert an die Sache ran ging, war der erste Tag sehr gut. Ich startete schon um Mitternacht. Um 2.00 brach ich allerdings ab, weil ich morgens beim Kunden gebucht war. Bin also früh hoch und früher als sonst los. Statt direkt zum Kunden schrieb ich auf dem Parkplatz im Auto die noch nötige Wortanzahl in den Laptop. Ich kam auf 1.800 Wörter. Super gelaufen.

Tag 2 (Samstag)
Nun waren die Freunde zu Besuch, mit denen man natürlich einiges zu bequatschen hatte. Ich lehnte mich mit der Gewissheit zurück, dass ich schon alles wieder aufholen würde. Ich brachte es an diesem Tag nur auf schlappe 550 Wörter.

Tag 3 (Sonntag)
Heute machte ich mich schon um 6.30, als alle noch schliefen, an die Arbeit. Gegen 9.00 musste ich die Brötchen sorgen. Nach dem Frühstück verabschiedete sich der Besuch und ich machte mich gegen 13.30 wieder an die Arbeit. Zwei Stunden konnte ich nutzen, bis die Kinder wieder von der Oma zurück waren. Nach dem Abendessen habe ich gleich weiter gemacht und tatsächlich gut aufgeholt. Aber es hat schon seine Zeit gebraucht, bis ich mich erst mal warm geschrieben hatte. Dann lief es eigentlich. Obwohl lange am Schreibtisch gesessen, sind nur 2.058 Wörter dabei heraus gekommen. Immerhin der Spitzenwert bislang.

Tag 4 (Montag)
Besuch von Herrn Murphy bekommt man immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Nachdem ich am Sonntag für meine Verhältnisse ganz gut aufgeholt hatte, warfen sich mir heute ein paar Hürden in den Weg. Die Idee, noch vor der Arbeit zu schreiben, ließ sich am Freitag noch gut umsetzen. Doch am Montag kam mir ein Stau in die Quere. So hatte ich bis zum eigentlichen Arbeitsbeginn nur eine dreiviertel Stunde zum Schreiben. Mein Ärger über diese Verzögerung lenkte mich ab, so dass ich nicht flüssig schreiben konnte. Ich habe so gut wie nichts zustande gebracht.
Nach Feierabend wollte ich die erste abendliche Verabredung zum Sport nicht absagen. Sie kam mir gerade recht, um mich zu entspannen. Das kam mir vernünftig vor. Die zweite abendliche Verabredung zu Tapas und Wein war zwar auch entspannend. Sinnvoll im Hinblick auf meine derzeitige Wortanzahl war das nicht. Letzten Endes habe ich heute tatsächlich nichts hoch geladen. 0 Wörter.

Tag 5 (Dienstag)
Heute war Home Office angesagt. Mit den Kindern im Haus ist es ratsam, sich akustisch abzuschotten, wenn man nicht durchdrehen will. Das setzte ich mit gut isolierten Kopfhörern und Filmmusik um. Das klappte ganz gut. Da mehrere Aufträge zu bearbeiten waren, wurden es heute nur knapp 660 Wörter. Wenig. Und für den Nanowrimo erst recht zu wenig. Aber ich sage mir, dass sich dieser intensive Schreibprozess noch zurecht takten muss. Außerdem geht es mir in erster Linie darum, die Geschichte voran zu bringen. Und das funktioniert bis jetzt. Wenn auch sehr langsam.

Tag 6 (Mittwoch)
Schon wieder nichts geschrieben. Tagsüber sehr viel illustriert und abends müde. Ich komme tatsächlich noch nach Mitternacht dazu, etwas zu schreiben. Das wertet der Zähler dann natürlich erst morgen. Macht nichts. Es kann nur mehr werden.

Tag 7 (Donnerstag)
Dieser Tag war auch ein arbeitsreicher. Ich bin ja froh, dass es momentan so gut läuft. Mit dem Schreiben wird es wieder erst am Abend etwas. Mit den etwa 400 Wörtern von dieser Nacht komme ich heute auf insgesamt 2.359 Wörter. Endlich mal mehr geschafft.

Fazit der ersten Woche
Der aktuelle Stand gibt nicht gerade Anlass zur Hoffnung, das Ziel von 50.000 Wörtern bis zum 30. November noch zu erreichen. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Ich habe im Schnitt 928 Wörter pro Tag geschrieben. Zu wenig, um das Ziel zu erreichen. Allerdings waren zwei Tage dabei, an denen ich gar nicht zum Schreiben kam. Das lässt mich doch noch hoffen.
Ich habe übrigens mal mit Stoppuhr meine Schreibgeschwindigkeit gemessen. Zwei Messungen ergaben im Schnitt 500 Wörter pro Stunde. Mehr ging bislang nicht. Allerdings muss ich feststellen, dass die Schreibgeschwindigkeit während des Schreibens etwas zunimmt. Spricht wohl dafür, dass ich mich immer warm schreiben muss.

Soweit mein Bericht über meine Erfahrungen beim Akkordschreiben während der ersten Woche des Nanowrimos. Ich hoffe sehr, dass ich in der nächsten Woche bessere Neuigkeiten habe.

Man liest sich!
J.J.

Nanowrimo 2013 – Morgen geht es los

Morgen beginnt er, der National Novel Writing Month. Mindestens 50.000 Wörter sollen das Ergebnis des Schreibmarathons am Ende des Novembers sein.  Das sind gerundet 1.667 Wörter pro Tag. Das wiederum sind etwa sieben Manuskriptseiten (60 Zeichen x 30 Zeilen). Das ist viel. Noch viel mehr ist es, wenn man ohne Planung in so ein Projekt startet. Dann wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rohrkrepierer – es sei denn, man ist der geborene Discovery writer.

Ich finde am Nanowrimo den eng gesteckten Zeitrahmen zur Fertigstellung des ersten Entwurfs reizvoll, weil er mich zum Organisieren und Planen zwingt. Schließlich nehme ich mir für dieses Projekt keinen Urlaub von meinem Brotberuf oder meiner Familie. Die Kunst ist es, die Zeit zum Schreiben in den Alltag zu integrieren. Ich hoffe, dass ich am Ende des Monats einen brauchbaren Rohentwurf habe. Den werde ich dann zwei bis drei Wochen ruhen lassen. Das wird mir in der hektischen Vorweihnachtszeit sicher nicht schwer fallen. Meine gewonnenen Zeitoasen fürs Schreiben möchte ich dann allerdings beibehalten. Es müssen ja dann nicht zwingend sieben Seiten pro Tag sein. Es gibt da noch ein paar Kurzgeschichten, die in Form gebracht werden wollen …

Dabei fällt mir ein, dass ich vielleicht endlich mal damit rausrücken sollte, worum es in meiner geplanten Geschichte geht:

Der neunte Kopf der Hydra
Berichte über Menschen, die ihr Gedächtnis verloren haben, sind ein beliebter Ansatz für Kriminalgeschichten. Die Betroffenen haben meist einen Teil ihrer Erinnerungen verloren. Im Laufe der Zeit kehren die verschollen geglaubten Erlebnisse wieder. Häppchenweise, aber langsam genug, um den Spannungsaufbau zu wahren. Dies ist eine ähnliche Geschichte. Mit einem kleinen Unterschied …
Adam befindet sich seit fünf Jahren in Therapie in einer neurologischen Klinik. Er hat sein Gedächtnis nicht nur zum Teil, sondern ganz verloren. Komplett ausradiert. Er musste nicht nur wieder sprechen lernen. Grundlegende Fähigkeiten wie zum Beispiel Lesen, Schreiben, Gehen, Verwendung von Messer und Gabel waren aus seinem Gehirn gelöscht.
Als er endlich vernehmungsfähig ist, wird er von der Polizei verhört und erfährt, dass man ihn vor fünf Jahren nur mit einer Hose bekleidet an einem Bahndamm in der Nähe eines verunglückten Zuges entdeckt hat. Konnte er aus dem Waggon klettern? Ist er herausgeschleudert worden? War er überhaupt im Zug gewesen? Wenn nicht, was hatte er dann am Bahndamm zu suchen? Warum war Adam nur mit einer Hose bekleidet? Warum hatte Adam keine Papiere bei sich, durch die man auf seine Identität hätte schließen können? Hat er etwas mit dem Zugunglück zu tun und täuscht seine Amnesie nur vor? Adam kann die Fragen der Polizei nicht beantworten. Ihr Misstrauen ist geweckt.
Er wird schließlich aus der Klinik entlassen. Ihm werden staatliche Fördermittel bewilligt, die ihm die ersten Schritte in sein neues, selbstständiges Leben erleichtern sollen. Eine Wohnung wird ihm für sechs Monate bezahlt. Er begibt sich auf Jobsuche. Dabei hat er ständig das Gefühl, beobachtet zu werden.
Während seiner Tätigkeit als Gärtner kommt es zu einem kleinen Unfall. Für ihn ist es ein einschneidendes Erlebnis. Adam wird klar, dass er anders ist als andere Menschen.

Und jetzt sind es nur noch 30 Minuten, bis es mit dem Schreiben der eigentlichen Geschichte endlich losgehen kann. Hier kann man übrigens sehen, um wieviele Wörter „Hydra“ täglich wächst:

Jasper Jetlag beim Nanowrimo

Man liest sich!
J.J.