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Zweifeldämonen

Ausfallswinkel

Ich hab es im letzten Jahr geschafft. Es sind über 50.000 Wörter geworden. Allerdings war nach dem November der Druck raus. Hier und da mal weiter geschrieben. Aber bis zum Ende hab ich nicht durchgehalten. Das Hamsterrad namens Alltag hatte sich wieder in Bewegung gesetzt. Einmal nachgegeben, schon hatte es so viel Fahrt aufgenommen, dass ich nicht mehr einfach abspringen konnte. Also gut, morgen noch mal ausschlafen, aber dann arbeitest du wieder am Manuskript. Du bist ja gerade so schön drin in der Geschichte. Wäre doch schade, wenn du dich durch zu langes Pausieren von deinen Figuren entfernen würdest. Ja, ja. Blöd. Aber genau das ist natürlich passiert. Natürlich? Warum eigentlich?

Es gibt gar keine Ausreden. Alles, was ich aufzählen würde, gilt nicht. Schließlich wollte ich doch die Geschichte schreiben. Einen Monat lang war es mir gelungen. Einen Monat lang lief alles so weiter wie sonst auch. Die Familie kam nicht zu kurz. Dank Selbständigkeit konnte ich mir die Zeit für anstehende Jobs zwar so einteilen, wir es mir am besten passte. Das Arbeitspensum galt es dennoch zu bewältigen. Verabredungen mit Freunden, Kino- und Restaurantbesuche waren auch drin. Einen Monat lang hab ich meinem Tagesablauf noch Zeit abluchsen können, um zu schreiben. Schien doch wichtig gewesen zu sein.

Sobald die Zweifeldämonen deinen Kopf besetzt haben, hast du verloren. Na gut, du hattest einen Monat deinen Spaß. Jetzt gilt es, deine Kräfte für deinen eigentlichen Job aufzusparen. Lieber nicht mehr um vier Uhr aufstehen, um zwei Stunden in Ruhe schreiben zu können. Wie lange willst du das durchhalten? Hast ja bis jetzt auch nichts Vorzeigbares beendet. Autor? Schriftsteller? Hallo?! Wach auf Junge. Komm zur Vernunft! Komme ich dann. Im Dezember. Nach dem NaNoWriMo. Zweifeldämonen halt.

Dann Weihnachten. Dann Neujahr. Dann wieder Arbeit. Und im Hinterkopf steckt man die ganze Zeit in der Geschichte. Nur verharren die Figuren wie eingefroren wie in der zuletzt geschriebenen Zeile des unvollendeten Manuskripts.

Ehe man sichs versieht, steht schon wieder der nächste NaNoWriMo vor der Tür. Jetzt wieder etwas Neues beginnen? Sollte ich nicht erst das Angefangene beenden? Es bestünde ja die Gefahr, dass ich nur das nächste unvollendete Manuskript produziere. Für den November könnte ich die Zweifeldämonen mit ausreichend Motivation in die Flucht schlagen. Aber sie sind hartnäckig. Ausgesprochen geduldig.

Sei’s drum. Ich habe mich schließlich doch entschieden, am kreativen Schreibmonat teilzunehmen. Diesmal aber nicht mit einem weiteren Roman. Sondern Kurzgeschichten. Ganz klassisch. Mit überraschendem Schluss, überwiegend schauriger Pointe. Im Stil von Twilight Zone. Scheinbar voneinander unabhängige Geschichten. Ein roter Faden verbindet die Einzelteile zu einem großen Ganzen mit dem Arbeitstitel „Ausfallswinkel“. So ist es jedenfalls geplant. Hoffentlich wird was draus.

Hier die die Titel und Inhalte der Kurzgeschichten:

Das Flüstern (Mystery)
Sie sind allein? Niemand in der Nähe? Trotzdem hören Sie Stimmen? Sogar ganze Gespräche? Dann sind Sie vermutlich wahnsinnig und sollten sich mit ihrer imaginären Gruppe arrangieren. Falls nicht, erfahren Sie hier, was dahinter stecken könnte.

Nächtliches Studium (Vampir Grusel)
Zwei arrogante, bodenständige Studenten glauben an nichts, außer ihrem obenflächlichen Humor. Unheimliche Umstände lassen Sie abergläubisch werden. Sie versuchen einen Mord zu verhindern und bewirken das Gegenteil.

Alles Ignoranten (Mystery)
David nahm sich vor, den Typen, der ihm die Vorfahrt genommen hatte nicht gleich anzubrüllen. Viel Hoffnung hatte er nicht. Das hätte schief gehen können. David redet auf ein dutzend Leute ein, die ihn einfach nicht beachten. Auch Verwandte und Bekannte, scheinen mit wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein, als im Beachtung zu schenken. Ihm dämmert, dass wohl doch etwas schief gegangen sein muss …

Morgen (Psychodrama)
Eine Geschichte über das, was man immer vorhatte zu tun, jedoch nie dazu kam. Aus einer vielzahl von Gründen. Einige sind durchaus nachvollziehbar. Leider auch die, die wir eigentlich nicht als nachvollziehbar einstufen möchten.
Was lähmt uns? Was motiviert uns? Welche Pflichten bremsen uns? Unser Beruf ist nicht unsere Berufung? Können wir nebenbei unsere Leidenschaft nachkommen? Was lässt unser Job zu? Was unsere Familie? Was kommt dazwischen? Was war wichtig? Was nicht?
Was von all dem sind Ausreden, weil uns der Mut fehlt? Der Mut, sich dem möglichen Versagen zu stellen?

Aufklärung im Salon (Krimi-Satire)
Meisterdetektiv Sherman Hidebound bittet alle verdächtigen Personen zur Aufklärung eines Mordfalles in den Salon. Nachdem alle versammelt sind, zieht der Detektiv vollkommen falsche, an den Haaren herbeigezogene Schlüsse und überführt schließlich eine Unschuldige des Mordes an den Pianisten Giovanni Vincenze Pianello.
Inspektor Smolder weist den berühmten Detektiv auf mögliche falsche Schlussfolgerungen hin. Durch stetes Hin- und Herkombinieren, richtiger und falscher Schlussfolgerungen, entlarvt letzten Endes Smolder den richtigen Täter.
Der große Sherman Hidebound verbucht den gelösten Fall selbstverständlich für sich.

Schreibblockade (Psychokrimi)
Edward Cutter ist ein erfolgloser Schriftsteller. Er schafft es nicht, auch nur eine Geschichte zu ende zu schreiben. Er findet eine Menge Gründe für seine Schreibblockade. Zunächst ist es die Umgebung, die er zum Schreiben für ungeeignet hält. Er kündigt seinen Job, der ihn nur Zeit kostet. Er verschiebt Verabredungen mit seinen Freunden oder sagt ihnen ganz ab, um den Kopf frei zu bekommen. Bald stört sein Hund. Er gibt ihn ins Tierheim.
Trotzdem entstehen nur einige Notizen fader Ideen. Warum bringt er nichts zustande? Das Geld wird knapp und seine Frau beginnt sich zu beschweren. Mit so einer nörgelnden Kuh im Nacken kann doch niemand vernünftig arbeiten. Wenn seine Frau nicht wäre, würde er sicher wahre Kunstwerke schreiben können. Die Lösung seiner Schreibblockade nimmt mörderische Formen an.

Die Orgel (Krimi)
Gernot Tauwetter wird auf dem Polizeirevier verhört. Er steht im Verdacht, für die in jüngster Zeit verübten Säuremorde verantwortlich zu sein. Nicht weniger als 65 Morde sollen auf sein Konto gehen. Indizien in Form von Säuretanks in der Garage und Adressen der Opfer in einem Notizbuch sprechen für diese Annahme und reichen zweifellos für eine Verurteilung aus. Die Aussage des Verdächtigen, für die Orgel seien diese Morde notwendig, ist für die Beamten zwar ein Geständnis, doch die Beweggründe der Morde bleiben rätselhaft. Das Tatmotiv soll im Verhör näher geklärt werden.

Das Härchen (Psychodrama)
Ein Geschichte nach dem Muster: Kleiner Anlass, große Wirkung. Ein kleines Härchen im Gesicht lässt einen Mann voller Selbstzweifel durchdrehen.

Der atomisierte Hund (Surrealeske)
Als Tilbert Dreisatz einen Zug in eine ungewissen Zukunft betritt, ahnt er noch nicht, dass er mit dieser Reise die Suche nach sich selbst antritt. Im Zug sucht er sein Abteil. Bei jedem Waggonwechsel landet er an surreal anmutenden Schauplätzen. Die Menschen, denen er begegnet, scheinen die Weisheit mit Schaufelbaggern gefressen zu haben.

Heute war der erste Tag des National Novel Writing Month. Begonnen habe ich mit der Geschichte „Alles Ignoranten“. Mit 1.997 Wörtern bin ich 300 Wörter über dem Ziel und wieder im Spiel.